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Interview mit Malik Heilmann

Interview mit Malik Heilmann

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Interview mit Malik Heilmann

Interview mit Malik Heilmann

Der Designer und Künstler Malik Heilmann besuchte am 22. Oktober die DEO. Er zeichnet sich verantwortlich für die farbliche und künstlerische Gestaltung des Oberstufenneubaus und fertigte auch im Sommer dieses Jahres ein Bild an, das nun im Erdgeschossbereich zu bestaunen ist. Im Rahmen eines fächerübergreifenden Projekts bei Herrn Bötsch wurde er von den Schülern der 11d interviewt. Die Schüler zeigten sich begeistert, jenen Künstler kennenzulernen, der ihren Oberstufenneubau mitgestaltet hat und auch Herr Heilmann war sehr dankbar für die Initiative, jene Schüler kennenzulernen, die täglich mit seiner Kunst „konfrontiert“ sind.

Klasse 11d: Welche Beweggründe hatten Sie, von Deutschland nach Ägypten zu ziehen?

Malik Heilmann: Meine Familie und ich wollten schon lange gemeinsam im europäischen Ausland leben. Wir sind nun zwei Jahre in Kairo und fühlen uns hier sehr wohl. In Deutschland standen wir vor der Entscheidung unsere älteste Tochter einzuschulen und empfanden dies als den richtigen Zeitpunkt ein neues Kapitel zu beginnen. Das war für uns alle ein sehr guter Schritt. Meine Frau hatte die Möglichkeit an der German International University als Professorin im Bereich Fashiondesign zu arbeiten. Und unsere Kinder wachsen in einem vielsprachigen Umfeld auf, was mir selbst jeden Tag aufs Neue imponiert.

 

Sie selbst haben ja einen multikulturellen Hintergrund. Denken Sie der Umzug nach Deutschland hat Sie ermutigt professioneller Künstler zu werden.

Ich bin in Usbekistan geboren und als ich elf Jahre alt war, sind meine Eltern mit mir und meinem Bruder nach Deutschland umgezogen. Ich habe als Kind schon viel gemalt und gezeichnet, d.h. auch in Usbekistan hätte ich sicherlich einen ähnlichen Beruf ergriffen. Aber es ist schon so, dass Deutschland viele gute Hochschulen für Design und Kunst hat, man dort gut studieren und auch eine Ausbildung in verschiedenen Bereichen machen. Und eine gute Ausbildung gibt einem natürlich schon die Freiheit, sich selbst weiterzuentwickeln, neue Wege zu gehen und sich selbst zu verwirklichen. In Deutschland hatte ich auch die Freiheit, mit Freunden Kunst zu machen, verschiedene Städte zu bereisen und damit Deutschland auch in seiner gesellschaftlichen Vielfalt kennenzulernen.

 

Sie sind ja professioneller Künstler. Inwiefern haben Sie noch die Freiheit Ihre eigene Kunst zu machen? Und wie war Ihr Weg zu Kunst?

In meinem Metier muss man immer wieder dafür kämpfen, die eigene Kunst immer miteinzubringen. Natürlich muss ich zuerst an meinen Kunden denken, aber es gibt immer die Möglichkeit eigene Ideen zu entwickeln und diese im Auftrag zu verarbeiten. Mein Weg zur Kunst fing eben mit dem Zeichnen im Kindesalter an, ging dann über Graffiti und „endete“ schließlich im Studium Kunst und Design, wo ich dann verschiedene Techniken gelernt habe. In Deutschland hatte ich schon mit Jugendlichen gearbeitet und diese Zusammenarbeit hat immer viel Freude gemacht. Der Fokus lag dabei auf Street Art.

 

Hat Ihr Beruf Einfluss auf ihr Privatleben?

Ja, sicher, das hat einen entscheidenden Einfluss. Auf der einen Seite habe ich nicht so feste Arbeitszeiten, die mich in ein tägliches, zeitliches Korsett zwingen. Auf der anderen Seite kann man Kreativität, die für Kunst und Design essentiell ist, nicht einfach herbeirufen und somit müssen auch immer wieder am Wochenende ein Projekt fertigmacht werden.

 

Im Oberstufenneubau sind verschiedene deutsche und ägyptische Persönlichkeiten mit einem Zitat abgebildet. Welches dieser Persönlichkeiten bzw. welches Sprichwort bedeutet Ihnen am meisten?

Das ist ganz klar Taha Hussein: „Wissen ist wie Wasser, das wir trinken und wie die Luft, die wir atmen.“ Es ist mein Lieblingsbild und mein Lieblingszitat von all den dargestellten Persönlichkeiten. Für mich bedeutet das, innerlich wachsen zu können, wachsen zu dürfen, die Welt immer wieder neu zu verstehen. Und hierbei zeigt sich auch das kulturübergreifende, kulturverbindende Element der Bildung, in dem Begegnung – so wie heute hier bei euch und wenn ihr mit Lehrern und Schülern aus Deutschland lernt – ein wichtiger Teil der Völkerverständigung ist.

Warum haben Sie diesen Stil für die Malerei verwendet?

Der Gedanke war immer, eine Gestaltung zu finden, die die Schüler anspricht, die cool wirkt, interessant, gestalterisch ansprechend. Orange als Farbe der Oberstufe wurde von schulischen Gremien eruiert und meine Aufgabe war es dann, verschiedene Nuancen und Abstufungen des Orangenen in die Gestaltung einzuarbeiten.

 

Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?

Zurzeit sind das ganz klar meine Kinder. Die gehen unglaublich selbstbewusst und selbstsicher mit Kunst generell und ihrer eigenen Kunst um. Da steckt wahnsinnig viel Freshness dahinter, viel Phantasie und Mut, den immer nur Kinder so haben. Kinder können einfach einen Strich zeichnen, quer, groß und unglaublich präsent. Da kommt nicht der Gedanke auf, wo das Blatt endet. Ihrer Phantasie sind eben noch keine Grenzen gesetzt, und das ist unglaublich inspirierend.

 

Wo würden Sie in Zukunft gerne noch arbeiten wollen?

Tja, das ist zurzeit ja schwer zu sagen. Planen kann man unter den derzeitigen Bedingungen und in der derzeitigen Situation gar nichts. Sicherlich werden wir irgendwann wieder mal in Deutschland sein. Aber wo wir letztlich hingehen und wohin es für uns als Familie geht, ist letztlich eine Entscheidung, die wir zum jeweiligen Zeitpunkt dann gemeinsam treffen.

 

Wie hat sich die Corona-Pandemie auf Ihre Arbeit ausgewirkt?

Da habe ich Glück gehabt, denn letztlich hat sich das auf mich nicht so stark ausgewirkt, wie auf andere Berufe. Und dafür bin ich sehr, sehr dankbar. Wenn ich sehe, wie viele Menschen ihren Arbeitsplatz verloren haben, finanzielle Einbußen hatten oder unter der Pandemie bzw. unter Covid-19 auch gesundheitlich zu leiden hatten, blieben mir und meiner Familie größere Einschnitte erspart. In Maadi habe ich zudem ein Atelier, in dem ich arbeite und auch in der Zeit des Lockdowns arbeiten konnte.

Wer ist ihr Lieblingskünstler?

Das ist ganz klar David Hockney. Die Landschaften, die er gemalt hat, die großen Projekte, die er realisiert hat und der starke Ausdruck seiner Kunst – in Form und Farbe – haben mich schon immer beeindruckt.

 

Das Wandgemälde, das sich nun im Eingangsbereich des Oberstufenneubaus befindet, hat ja verschiedene Elemente, wie das der Leiter oder einer Sonne. Haben Sie auch für Ägypten „typische“ Formen verarbeitet, wie die Pyramiden?

Nein, das sicherlich nicht. Das wäre auch zu oberflächlich und würde ja nur wieder eine Form widerspiegeln, die ihr zum einen zur Genüge kennt, und die zum anderen ja fast schon zum Klischee wurde. Schließlich ist Ägypten und sind die Ägypter ja mehr als ein Dreieck in der Wüste. Das gehört ganz klar zur Geschichte Ägyptens, aber Ägypter sind ja ein derart vielfältiges Volk, mit einer so reichen und vielfältigen Kultur, das mir das zu einseitig gewesen wäre. Das Bild soll vielmehr Ausdruck sein für euer Streben nach Bildung, der Wunsch nach Erkenntnis, nach Selbstverwirklichung, nach Freiheit.

 

Wenn Sie anfangen zu malen, haben Sie Angst Fehler zu machen, so wie wir bei Tests und Arbeiten?

Das ist eine sehr gute Frage. Ihr seht ja, dass in dem Bild selbst sowohl gerade Striche und Achsen zu finden sind, aber auch Linien, die uneben wirken oder auch über den Bildrand hinausgehen. Mich erinnert das selbst, wie ja vorhin erwähnt, an die Kunst meiner eigenen Kinder, den Mut über den Rand hinaus zu zeichnen, hinaus zu denken und damit Grenzen zu sprengen. Also, ja, Fehler sind Teil des Entstehungsprozesses, Teil der Arbeit. Aber am Ende steht immer eine Arbeit, die ohne Angst entstanden ist. Und das wünsche ich auch euch, dass ihr euch ohne Angst in den Bildungsprozess begebt und ihr den Mut habt, fremdgesteckte Grenzen des Denkens zu verschieben.

 

Lieber Herr Heilmann, vielen Dank, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben.

Ich danke euch und Herrn Bötsch für die Einladung. Das war eine wunderbare Gelegenheit euch als Empfänger meiner Kunst kennenzulernen. Danke für eure Fragen und euer Interesse und ich wünsche euch viel Erfolg auf eurem Weg zum Abitur.

Das Interview wurde von Jeremias Albrecht, Lena El Maimouny, Taya Elhamy, Ragy Rabie und Salma Shaker geführt, zusätzliche Fragen wurden von Mitschülern gestellt. Weitere Informationen zu Malik Heilmann sind zu finden auf seinen offiziellen Websites:

www.malik-heilmann.com und www.abetterpicture.de

Text: Michael Bötsch; Photos: Michael Bötsch und Malik Heilmann

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