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Pädagogischer Tag 2021

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Pädagogischer Tag 2021
Pädagogischer Tag 2021

Pädagogischer Tag 2021

Die Osterferien sind zu Ende, Ramadan hat begonnen und ebenso das letzte Viertel des Schuljahres. An der DEO in Kairo ist mindestens noch für alle Klassen Online-Unterricht bis zum 25. Mai, und die Sommerferien lassen danach nicht mehr lange auf sich warten.

Ob und wie das neue Schuljahr dann weitergehen wird, steht noch in den Sternen, aber sowohl Schülerinnen und Schüler als auch alle Lehrkräfte hoffen auf einen normalen Schulbetrieb mit Präsenz in den Klassenzimmern. Zeit, auf das aktuelle Schulhalbjahr zurück zu blicken und einen Ausblick zu wagen.

Ende des letzten Halbjahres fand an der DEO für die Lehrkräfte des deutschen Programms der sogenannte Pädagogische Tag statt. Der Fokus lag diesmal ganz bewusst nicht auf Tooltrainings für Teams oder Microsoft One Note, mit denen die Lehrkräfte bereits etliche Monate arbeiteten. Vielmehr wurden Referenten eingeladen, die Inspirationen für die Gestaltung des Distanzlernens geben sollten. Folgende Trainings wurden angeboten:

  • Deutsch/Fremdsprachen mit Georg Schlamp
  • Biologie/Chemie mit Katharina Unger
  • Mathematik (Flipped Classroom) mit Antje Schmid-Hanusch
  • Dynamik im Deutschunterricht mit Florian Eisenburger
  • Coding-Webinar von den Jungen Tüftlern.

Herr Schlamp hat zudem für Sport und Kunst Padlets bzw. Weblinks zu Unterrichtsideen zur Verfügung gestellt, die den Kollegen weitergeleitet wurden.

Das erste Feedback nach dem Pädagogischen Tag war seitens der Lehrkräfte weitestgehend positiv, wenngleich die Informationen sehr kompakt und ein Nacharbeiten notwendig waren.

Jetzt, ein gutes Vierteljahr später stellt sich die Frage, was der Pädagogische Tag gebracht hat und ob das, was dort vorgestellt wurde, in den Schulalltag integriert werden konnte. Michael Bötsch, PQM verantwortlich an der DEO weiß, dass insbesondere die Lehrkräfte für Sprachfächer wie Deutsch, Englisch und Französisch sich mit den vorgestellten Tools beschäftigt haben, und so geben einige von ihnen bereitwillig erste Erfahrungen preis.

Grundsätzlich hat sich herauskristallisiert, dass die vorgestellten Tools vor allem in der Unter- und Mittelstufe Anwendung finden. Alles, was die Kreativität, den Sprachgebrauch, das Vokabeln lernen aber auch die eigenständige Arbeit oder die Arbeit in Gruppen fördert, war willkommen.

Es scheint, dass Vokabeln lernen mit Kreuzworträtseln und Memory Cards online einfach mehr Spaß macht. Die Möglichkeit, Erklärvideos zu erstellen, ist zwar erstmal aufwändig, kommt aber bei den Schülerinnen und Schülern gut an. Besonders beliebt ist die Webanwendung Make-Believe-Comicx, mit der Lerninhalte in Form von Comics transportiert werden können. Flinga ist ein erweitertes Whiteboard und ist Padlets ähnlich. Unter Padlets versteht man virtuelle Pinwände, an die Schülerinnen und Schüler ihre fertigen Ergebnisse online anheften können. Soll in Biologie beispielsweise ein Thema zu einer bestimmten Tierart erarbeitet werden, dann erstellen die Schülerinnen und Schüler eine Art Online-Plakat, das mit Texten und Fotos an die Pinnwand geheftet wird. Dadurch entsteht ein Gesamtergebnis einer Lerngruppe, das auch visuell ansprechend und motivierend ist.

Dass es auch online möglich ist, die Stimmung der Lernenden einzufangen, wurde erfolgreich in der 4N erprobt. Alle Kinder hielten, je nachdem, wie es ihnen ging, farbige Karten in die Kamera. So entstand ein eindrucksvolles Stimmungsbild, das ein Einstieg für eine Klassenleiterstunde sein konnte. Für eine achte Klasse war diese Methode jedoch eher langweilig.

Tools gibt es zahlreiche , und dass mit diversen Tools der Online-Unterricht für die Schülerinnen und Schüler abwechslungsreicher sein kann, war unter anderem ein Erfolg des Pädagogischen Tages. Lediglich ein Referent war sich nicht bewusst, dass die DEO derzeit online unterrichtet und präsentierte Methoden für das Lernen im Klassenzimmer. Das war für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erstmal enttäuschend.

Wenngleich Freude am Unterricht wichtig ist, stellt sich dennoch die Frage nach dem pädagogischen Mehrwert. Einig sind sich alle, dass der Präsenzunterricht im Klassenzimmer – kreative Tools hin oder her – durch nichts zu ersetzen ist.

Für die Lehrkräfte ist jedes neue Tool ein zeitlicher Mehraufwand. Es geht dabei nicht nur darum, sich in die neuen Apps und Anwendungen einzuarbeiten, sondern auch um den Mehraufwand der Unterrichtsvorbereitung. Da gilt es, Aufwand und Mehrwert abzuwägen. Insbesondere in der Oberstufe, die ganz gezielt auf das Abitur vorbereitet, stehen die Inhalte über den verwendeten Tools. Neue Lehrkräfte waren zudem intensiv damit beschäftigt, sich in Teams und One

Note für den täglichen Unterricht einzuarbeiten. Zudem müssen sowohl bei den Lehrkräften als auch bei den Schülerinnen und Schülern die technischen Voraussetzungen vorhanden sein und genutzt werden können. Manchmal scheitern Tools an einfachen Dingen wie einem stabilen Internet oder dem Laptop, den gerade ein Geschwisterkind dringend für eine Klassenarbeit benötigt. Einige Lehrkräfte haben in Tablets und Pen investiert, um Aufgaben papierlos und schnell korrigieren zu können.

„Schule neu denken“ ist das Stichwort, wenn es um die Planung des nächsten Schuljahres geht. Die Erfahrungen aus dem Online-Unterricht haben sehr viele positive Effekte, und jetzt geht es darum, dass diese neuen Erfahrungen in das nächste Schuljahr mit einfließen können. Vorausgeschickt werden darf, wenn man verschiedenen Stimmen aus Deutschland Glauben schenken darf, dass die DEO im Vergleich zu manch deutscher Schule den Online-Unterricht, allen Wehwehchen im Alltag zum Trotz, sehr gut hin bekommt. Sowohl seitens der Lehrkräfte als auch seitens der Schülerinnen und Schüler.

Das Einstellen, Abgeben und Korrigieren von Hausaufgaben ist nur ein Punkt, der eine intensivere Betreuung der einzelnen Schülerinnen und Schüler ermöglicht. Ebenso ist es sehr einfach möglich, miteinander in Kontakt zu kommen. Die Lehrkraft nochmal anzusprechen und nachzufragen ebenso, wie eine Klasse an Abgabetermine oder Unterlagen zu erinnern. Ohne das Einsammeln von Heften ist es im Klassenzimmer nicht möglich, immer alle Hausaufgaben im Überblick zu haben. Die ständige Verfügbarkeit stellt aber auch eine Mehrbelastung für die Lehrkräfte dar. Um Feierabend zu haben, muss dann manchmal einfach ganz konsequent der Laptop oder das Tablet ausgeschaltet werden. Dennoch wünschen sich die Mehrzahl der befragten Lehrkräfte ein Beibehalten von Teams auch im neuen Schuljahr. Zur Kommunikation, für Hausaufgaben und das Bereitstellen von Materialien.

Die DEO hat bereits angefangen, Klassenräume mit Smartboards auszustatten und die traditionelle Tafel zu ersetzen. Einige Lehrkräfte wünschen sich diese Smartboards nicht nur für die Oberstufe, sondern für die gesamte Schule, um einen modernen, medial gestützten Unterricht einfacher gestalten zu können.

Tabletklassen, also dass sowohl die Lehrkraft als auch alle Schülerinnen und Schüler mit einem Tablet ausgestattet sind, hätten verschiedene Vorteile.

Klassenarbeiten könnten auch im Klassenzimmer papierlos geschrieben und anschließend korrigiert, Lehrmaterial, Aufgaben und Ergebnisse einfach ausgetauscht werden.

Einig sind sich auch alle Befragten, dass sie sich ein oder zwei Online-Tage auch im neuen Schuljahr wünschen. Das erfordert zwar ein komplettes Umdenken in der Stundenplanerstellung, würde aber angesichts des Verkehrs in Kairo eine zeitliche Entlastung für alle Beteiligten bedeuten. Zudem könnten die Lernkompetenzen aus dem Online-Unterricht wie selbstständiges und mediales Arbeiten weiter fortgeführt werden. Die Schülerinnen und Schüler würden dadurch weiterhin auf eine Berufswelt vorbereitet, die sich immer weiter vernetzt und globalisiert.

Neben allen medialen Kompetenzen sieht nicht nur Frau Rieche-Wagner als Unterstufenkoordinatorin noch einen ganz anderen Schwerpunkt für das nächste Schuljahr. Online-Unterricht heißt nicht umsonst auch Distanzlernen. Nach einem Jahr fast ausschließlichem Online-Lernens sollte ab September vor allem Wert auf das Wiedererlernen des körperlichen Miteinanders und des sozialen Umgangs miteinander im Klassenraum und in der Schule gelegt werden. Zudem dürfen der Umgang mit Stift und Papier sowie weitere haptische Erfahrungen und das Nutzen aller Sinne, auch in Musik, Kunst und Sport, die für die Vernetzung von Gehirnstrukturen wichtig sind, nicht vernachlässigt werden. Schule ist letztendlich eben doch mehr, als das digitale Übermitteln von Lernstoff und das Einsenden von Aufgaben.

Vielleicht ist es möglich, in den letzten Wochen des Schuljahres einen erneuten pädagogischen Tag zu gestalten, der sich ganz gezielt des Themas „Schule neu denken“ annimmt.

(C) Monika Bremer, 17.04.2021

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