Im Zeichen einer über 40-jährigen Tradition: Jugendgruppe aus Langen besucht den kooperativen Religionsunterricht der DEO
Am Montag, dem 5. Oktober, durften wir eine deutsch-ägyptische Jugendgruppe der Evangelischen Kirche Langen bei uns an der DEO begrüßen. Gemeinsam mit unseren Schülerinnen und Schülern der Klasse 12d tauchten die Gäste in das Konzept unseres kooperativen Religionsunterrichts ein. Das lebendige Miteinander und der Dialog zwischen christlichen und muslimischen Jugendlichen haben alle Beteiligten tief beeindruckt.
Der Besuch steht in einer langen Tradition. Seit 1982 besteht der Jugendaustausch zwischen jungen Menschen aus Hessen und Ägypten, den Dr. Tharwat Kades ins Leben gerufen hat. Als Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Langen lag ihm die Begegnung zwischen den Kulturen und Religionen besonders am Herzen, und mit seinen Besuchergruppen kam er immer wieder gern an die DEO. Bis heute ist der Besuch an unserer Schule und im kooperativen Religionsunterricht ein fester Bestandteil des Programms. Wir blicken damit auf eine gemeinsame Tradition von mehr als 40 Jahren zurück.
Der kooperative Religionsunterricht ist ein besonderes Merkmal der DEO.
Christliche und muslimische Lehrkräfte unterrichten gemeinsam, und die Schülerinnen und Schüler lernen miteinander und voneinander. Sie setzen sich mit der eigenen Tradition auseinander, lernen die Glaubenswelt des anderen aus erster Hand kennen und entdecken im Gespräch Unterschiede und Gemeinsamkeiten. So wird interreligiöses und interkulturelles Lernen im Schulalltag lebendig.
Der Ablauf des Besuchs
Der Tag begann mit einer Führung über das Schulgelände. Die angehenden Erzieherinnen der Gruppe, die das Elisabethenstift in Darmstadt besuchen, hospitierten anschließend ausführlich in unserem Kindergarten. Sie kamen mit den Erzieherinnen und Erziehern ins Gespräch, lernten das Konzept der halboffenen Gruppen und die konsequente Orientierung an den Kindern kennen und durften mit den Kindern spielen und so selbst in das deutschsprachige Sprachbad eintauchen.
Danach nahm die Gruppe an einer Doppelstunde des kooperativen Religionsunterrichts der 12d teil, die wegen der Gruppengröße in der kleinen Aula stattfand. Die Jugendlichen aus Deutschland konnten selbstverständlich in den Unterricht einsteigen und sich gemeinsam mit unseren Schülerinnen und Schülern einbringen.
- Einstieg: Die Tageslosung im trialogischen Horizont
Der Ausgangspunkt war die Tageslosung.
Gemeinsam wurden Bezüge zur Hebräischen Bibel, zum Neuen Testament und zum Koran herausgearbeitet.
So wurde von Beginn an sichtbar, wie eng die drei abrahamitischen Traditionen miteinander verwoben sind.
- Das religiöse Umfeld Jesu
Im Rahmen der Unterrichtsreihe zur Christologie beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit dem religiösen und gesellschaftlichen Umfeld, in dem Jesus aufwuchs und wirkte. Dabei wurde deutlich, dass Jesus in einer jüdisch geprägten Gesellschaft lebte. In kurzen Präsentationen stellten die Jugendlichen ausgewählte Symbole und Traditionen des Judentums vor, darunter die Menora, den Torazeiger (Jad) und die Hawdala-Kerze. So erhielten sie Einblicke in die jüdische Glaubenstradition und konnten die historischen Wurzeln des Christentums besser verstehen.
- Jesus im Koran: Würdenamen in islamischer Perspektive
Im dritten Teil richtete sich der Blick auf die Bezeichnungen, mit denen der Koran Jesus (arab. ʿĪsā) würdigt.
Die Erarbeitung erfolgte in Gruppen nach einem offenen Medienkonzept:
Über einen QR-Code sammelten die Jugendlichen zunächst auf einer gemeinsamen digitalen Pinnwand die
Würdenamen und Bezeichnungen Jesu, die ihnen bereits bekannt waren.
Im Anschluss wurden diese Titel gezielt vertieft und um weitere ergänzt. Grundlage dafür waren die einschlägigen
Koranstellen sowie kurze wissenschaftliche Texte zur islamischen Christologie.
Herausgearbeitet wurden unter anderem folgende Würdenamen:
- Sohn der Maria (ʿĪsā ibn Maryam), Sure 3,45,
- Messias (al-masīḥ), Sure 3,45 und 4,171,
- Wort Gottes (kalimat Allāh), Sure 3,45 und 4,171,
- Geist von Gott (rūḥ minhu), Sure 4,171,
- Diener Gottes (ʿabd Allāh), Sure 19,30,
- Prophet (nabī) und Gesandter (rasūl), Sure 19,30 und 4,171.
- Ausblick: In der Folgestunde werden die Ergebnisse aufgegriffen, um weitere Titel ergänzt und mit den christlichen Hoheitstiteln ins Gespräch gebracht. Besonders gleichlautende Bezeichnungen wie „Wort Gottes“ bieten dabei einen spannenden Ausgangspunkt für den Vergleich.
Austausch über Unterricht und Konzept
Im Anschluss an die Doppelstunde kamen die Gäste und unsere Schülerinnen und Schüler miteinander ins Gespräch. Dabei ging es sowohl um die Inhalte des Unterrichts als auch um das Konzept des kooperativen Religionsunterrichts und die Erfahrungen, die unsere Jugendlichen damit machen.
Eindrücke der Gäste. Die Gäste erlebten die DEO als offene, einladende und freundliche Schule und nahmen nach eigenen Worten viele positive Eindrücke mit nach Hause.
Wir danken Frau Pfarrerin Christiane Musch und allen Gästen herzlich für ihren Besuch und freuen uns darauf, diese besondere Tradition gemeinsam fortzuführen.
Fachlehrer Religion 12d
Dr. Frank Laska
Dr. Mohamed Alawady







